Am 5. März eröffnete Wageningen University & Research (WUR) den AlgaePARC 2.0, eine Erweiterung der bestehenden Mikroalgenfarm auf dem Campus von Wageningen. Sie dient als Pilotanlage, in der Forscher und kleine bis mittlere Unternehmen (KMU) Technologien für das Wachstum und die Bioraffinerie von Mikroalgen entwickeln und testen.

Mikroalgenfarm

Mikroalgenfarm

Image: Wageningen University & Research

Auf diese Weise wollen sie Innovationen beschleunigen. Die neue Anlage umfasse zusätzliche Röhrensysteme für die Kultivierung von Mikroalgen, neue Screening-Systeme für eine schnellere Auswahl von Algenstämmen und eine Reihe neuartiger Bioraffinerie-Ausrüstungen für Forscher zur Aufbereitung von Bio-Produkten aus Algen. Damit wird die Kapazität der Pilotanlage effektiv verdoppelt.

“Wir stellen unsere Technologie Start-ups und anderen kleinen Unternehmen zur Verfügung, um ihre Ideen zu testen, ohne große Investitionen tätigen zu müssen”, sagt Maria Barbosa, Professorin für Bioverfahrenstechnik. AlgaePARC hat seine Anlagen seit 2016 gemeinsam genutzt, konnte aber mit der Nachfrage nicht Schritt halten. AlgaePARC 2.0 soll diese wachsende Nachfrage befriedigen.

Mikroalgen für Lebensmittelprodukte

Es gebe einen deutlichen Unterschied in der Anwendung von Mikroalgen vor zehn Jahren und heute. Während sich Forscher und kleine Unternehmen früher auf die Produktion von Biokraftstoffen konzentrierten, verlagere sich der Schwerpunkt jetzt auf Lebensmittelanwendungen. Algen produzieren Palmölersatzstoffe und gesunde Omega-3-Fettsäuren und dienen als tierfreie Proteinquelle. Die erweiterten Möglichkeiten des AlgaePARC sollten die Schwelle zur Erforschung dieses Potenzials senken. Es sei nun möglich, Algen nicht nur zu züchten, sondern sie auch vor Ort zu ernten und das gewünschte Produkt zu reinigen. Das sei einzigartig, denn die meisten Piloten bieten entweder die Möglichkeit, Algen zu züchten oder gewünschte Produkte wie Öl aus den Algen zu gewinnen. “Im AlgaePARC können Unternehmen nun mit einem Röhrchen Algen beginnen und mit ihrem Produkt abreisen”, erklärt Barbosa.

Außerdem sei die Mikroalgenfarm in Wageningen eine der wenigen Anlagen mit einer Lizenz für den Anbau von gentechnisch veränderten Algen im Pilotmaßstab. Die einzige andere Algenfarm mit einer solchen Genehmigung in Europa befinde sich in Portugal. Mit geringfügigen Anpassungen der DNA können die Wissenschaftler den Stoffwechsel der Algen verändern, um bspw. mehr Öl oder Proteine zu produzieren.

Sprungbrett für Start-ups

Vor kurzem sei das Start-up ReCarbn von Twente nach Wageningen umgezogen, um leichteren Zugang zu den Einrichtungen des AlgaePARC zu haben. Das Start-up erforsche eine Technologie namens Direct Air Capture, bei der CO2 direkt aus der Luft aufgefangen und dann vor Ort genutzt wird, um z.B Algen zu füttern”. Sophia Hummelman, Mitbegründerin von ReCarbn, erklärt: “Wir wollen besser verstehen, ob diese Technologie eine gute Anwendung für die Algen sein kann. Wir testen unter anderem, wie die Algen auf den von uns verabreichten CO2-Strom reagieren und wie robust die Technologie unter wechselnden Wetterbedingungen und im Dauerbetrieb ist.” Das AlgaePARC in Wageningen biete eine optimale Forschungsumgebung für dieses Start-up. “Mit der Forschung im Bereich Algen ist Wageningen weltweit führend”, sagt Hummelman. “Für uns ist AlgaePARC daher der ideale Teststandort. Die Zusammenarbeit mit dem AlgaePARC und der Wageningen University & Research dient als Katalysator für die Weiterentwicklung unserer Technologie und eröffnet uns neue Möglichkeiten für die weitere Entwicklung.”

Die Zusammenarbeit zwischen ReCarbn und Wageningen wird u.a. durch die 4TU/TNO-Kooperationsinitiative Thematic Technology Transfer Circular Technology (TTT-CT) ermöglicht. Programmdirektor Maurits Burgering von TTT-CT erklärt: “Ein früheres Pilotprojekt, das in den Gewächshäusern der WUR durchgeführt wurde, hat uns nicht zufriedengestellt, weshalb wir jetzt zum aktualisierten AlgaePARC 2.0 übergehen.”